Vom 16. bis 21. August 2026 haben sich wieder 13 Frauen plus Eva und ich zu einer Sommertanzwoche zusammengefunden. Diese Tanzwoche in der Steiermark gibt es seit 2002, und heuer war sie zum letzten Mal im Süden des Landes. Sonntag Abend bis Freitag Mittag Ägyptischer Tanz, Bodywork, viele gute Gespräche, so manche Entdeckung und vor allem viel Spaß, Entspannung und Lebensfreude. Ein Ausflug auf den Frauenberg, beim Abschlussfest auch Kreistänze und zwischendurch ein Trancetanz-Abend.
Die Erkenntnis dieser Woche: Wir müssen uns nicht optimieren. Wir sind gut, so wie wir sind.
Am Sonntagabend treffen wir uns, 13 Frauen aus Österreich und Deutschland kommen im Laufe des Tages im Seminarhaus an. Einige, die von weiter her kommen, sind schon einen Tag früher angereist, eine Teilnehmerin aus Deutschland sogar eine ganze Woche – die hat sie auf dem Murradweg verbracht:-) Einige kennen sich schon, einige sehen sich wie immer zum ersten Mal. Und mir geht es genau so. Nach einigen Begrüßungen, Abendessen und Nachrichten von anderen, die irgendwo unterwegs stecken geblieben sind, treffen wir uns schließlich zum gemeinsamen Tanz. Und als wir uns dann zu einem einführenden Gespräch zusammen setzen, kennen wir uns schon. Das Tanzen hat uns viel schneller einander näher gebracht, als Worte es jemals könnten.
Im eigenen Tempo
Schnell wird auch klar, hier muss keine etwas darstellen, eine Rolle spielen oder so tun als ob. Was ich nach dieser Woche am häufigsten gehört habe: Wie schön, dass ich hier so sein durfte, wie ich bin. Ich habe mich angenommen gefühlt. Und trotzdem war das keine „Wir-haben-uns-alle-so-lieb-Woche“. Differenzen dürfen auch sein, etwas Neues ausprobieren, etwas Unbekanntes wagen – alles ist möglich. Wir müssen nicht immer mit allem einverstanden sein.
Wie wohltuend: Wir sind Frauen jeden Alters, viele von uns über vierzig, über fünfzig, über sechzig. Wir haben jahrzehntelange Übung darin, uns zu „verbessern“ und zu korrigieren. Irgendetwas ist immer zu viel oder zu wenig, und irgendwo wartet immer noch eine bessere Version von uns. In dieser Woche lernen wir uns kennen wie wir sind. Wir sind mutig und werfen Blicke auf unsere Schatten. Um zu bemerken, dass diese Schatten gar nicht so bedrohlich sind, sobald wir hinschauen.
Aber in erster Linie ist da einfach die Freude an dem was ist, am Hier und Jetzt, an unseren wunderbaren Körpern, die uns so viele glücklich-bewegte Momente schenken, am Miteinander da sein, Spaß haben, Lachen, Tratschen – ganz normales Leben eben.

Trancetanz & bewegte Meditation
Am Dienstagabend trafen wir uns zu Trancetanz und bewegter Meditation. Beispiele aus verschiedenen Richtungen und Kulturen. Wir eröffneten den Abend mit einem schamanischen Tanz aus Anatolien. Es folgten die Meditation der Himmelsrichtungen, Trancetanz aus Ägypten und Drehtanz.
Trancetanz klingt mystischer, als er ist. Im Prinzip geht es um sich immer wiederholende Bewegungen zu einem gleichbleibenden Rhythmus. Was ich seit vielen Jahren daran schätze, prägt auch die Stimmung in dieser Woche: Irgendwann hören wir auf, darauf zu achten, ob wir „es richtig machen“, die ständige Beobachtung weicht einem Aufgehen in der Bewegung. Und das macht glücklich:-)
Ausflug auf den Frauenberg
Am Mittwoch haben wir das Tempelmuseum am Frauenberg in Leibnitz besucht. Ich kenne den Ort schon lange, war aber in den letzten Jahren kaum noch dort – und siehe da: Es gab jede Menge Neues zu entdecken.
Der Platz, an dem das Tempelmuseum steht, ist etwas Besonderes. 381 Meter Seehöhe, ein Höhenrücken am Rand des Leibnitzer Feldes, archäologische Funde aus rund 6500 Jahren. Über dem römerzeitlichen Tempel steht heute eine Wallfahrtskirche, 1170 zum ersten Mal urkundlich erwähnt als „ecclesia Sanctae Mariae in monte“. An diesem Platz wurde also sehr lange eine weibliche Gottheit verehrt, unter wechselnden Namen.
Lange galt der Tempel als der Göttin Isis geweiht, genauer Isis-Noreia. Die Zuschreibung stammt aus Grabungen der 1950er Jahre, und ich habe jahrelang genau damit für diesen Ausflug geworben. Isis passt schließlich wunderbar zum Ägyptischen Tanz 🙂 Dass die Sache nicht mehr sicher ist, war mir bekannt. Neu war für mich, wie lange das schon so ist und wie wenig es sich herumgesprochen hat. Auf der Museumsseite steht inzwischen nur noch „wahrscheinlich“.
Gefunden wurden dort viele Statuetten aus heimischem Kalkstein: eine Frau mit einem Kind im Arm, ähnlich wie spätere Darstellungen der Gottesmutter. Fast allen fehlt der Kopf. Heute werden sie eher einheimischen Muttergöttinnen zugeordnet als der ägyptischen Isis, unter anderem weil der Horusknabe fehlt. Sicher ist nur: hier wurde einer Göttin geopfert. Wie sie hieß, weiß niemand.
Mir gefällt das inzwischen besser als eine klare Antwort: eine Göttin ohne Namen, gestiftet von Frauen aus der Gegend, gehauen in Kalkstein von nebenan. Und 1900 Jahre später steht eine Gruppe Frauen davor und versucht sich einen Reim drauf zu machen.
Abend-Überraschung
Wer schon einmal dabei war, kann sich vielleicht erinnern: Immer wieder gab es am Abend eine kleine Überraschung mit besonderen Gästen. Breema-Körperarbeit, Yoga, Shiatsu und Qi Gong waren schon dabei. Diesmal war wieder Qi Gong an der Reihe. Es war der richtige Zeitpunkt dafür. Sieglinde hat bei mir getanzt und schon vor längerer Zeit eine Qi-Gong-Ausbildung gemacht. Ich habe sie spontan eingeladen, uns eine Stunde Qi Gong zu geben.
Nach dem ganz großen Eis, das wir uns am Nachmittag in Flavia Solva gegönnt hatten, war die sanfte Aktivierung und Bewegung genau das Richtige. So konnte der Abend ruhig und entspannt ausklingen.
Heißer Sommer, kühler Ausblick
Wie letztes Jahr war auch heuer die Hitze ein Thema. Am Donnerstag hatte es schließlich über 35 Grad. Der Seminarraum ist seit heuer glücklicherweise klimatisiert, aber im Freien ist bei der Hitze nicht so viel möglich. Einige Frauen waren schwimmen in einem nahen Flußbad und haben erzählt, dass da kaum Menschen waren. Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Es war in den letzten Wochen so heiß hier, dass niemand mehr am Nachmittag das Haus verlassen mag. Vor allem auch deshalb wird die Sommertanzwoche ab nächstem Jahr in einer kühleren Region in der Steiermark stattfinden – dazu später mehr.
Donnerstag Abend
Wie immer gab es am Donnerstag Abend ein Abschlussfest. Und wie immer ein paar Kreistänze zu Beginn. Und wie immer bin ich fasziniert, was so ein Kreistanz mit einer Gruppe macht. Wenn alle sofort mitmachen können und sich im gleichen Rhythmus bewegen, entsteht ein besonderer Gleichklang. Anschließend war wie immer viel Platz zum Tanzen und „sich Austoben“. Die Musik wurde von allen in eine gemeinsame Liste gegeben.

Ich habe mich altersgerecht um 10 Uhr verabschiedet, die anderen haben noch weitergemacht. Habe ich am nächsten Tag gehört.:-)
Abschluss
Die Tanzwoche ging mit einem sehr berührenden Freitag-Vormittag zu Ende. Noch an den Tagen danach trudelten Meldungen und Fotos in der WhatsApp-Gruppe ein. Die Frauen vermissen die Woche und einander. Das kenne ich, und es freut mich jedes Mal.
Mir geht es ähnlich und doch anders. Ich wohne während der Woche im Haus, obwohl ich in der Nähe lebe. Das mache ich immer, weil ich mich zwischendurch zurückziehen können muss. Ich leite diese Wochen sehr gern. Es ist so viel möglich, die Frauen lernen viel, und jedes Mal entsteht diese entspannte Stimmung. Es geht mir anschließend wie den Teilnehmerinnen: Ich bin glücklich, inspiriert und angenehm müde:-)
Ab 2027 auf 800 Metern
Seit 2002 war unsere Tanzwoche in der Südsteiermark, seit 2020 im Retzhof. Dort habe ich, seit ich 1999 hierhergezogen bin, unzählige Kurse, Workshops und Seminare gegeben. Ich habe meine eigenen Lehrerinnen dorthin eingeladen, und eine Performance dort organisiert. Die Nähe und all die schönen Erinnerungen werde ich vermissen.
Trotzdem ziehen wir um. Die Sommer werden immer wärmer, und die Südsteiermark ist im August inzwischen eine ziemliche Herausforderung. Ab 2027 sind wir im Landsitz Pichlschloss in Neumarkt in der Steiermark, mitten im Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen. Auf rund 800 Metern Seehöhe, mit erfrischenden Nächten auch im Sommer, dem Wald direkt vor der Tür, vielen Möglichkeiten zum Wandern und Badeteichen in der Nähe. Und dort scheint sich die Welt ein bißchen langsamer zu drehen.
Der Termin steht auch schon fest: 15. bis 22. August 2027, von Sonntagabend bis Sonntagmittag. Details dazu gibt es demnächst.
Für mich ändert sich damit übrigens mehr als für alle anderen: Bisher waren es 11 Kilometer bis zur Tanzwoche. Ab 2027 wird das also auch für mich eine Reise.
Einfach sein
Was mich seither bewegt: Warum gibt es so selten Räume, in denen wir nichts leisten, nichts darstellen, nichts beweisen müssen? Eine Woche lang war genau das möglich – und genau deshalb ist so viel geschehen. Ich denke, dazu braucht es auch einen besonderen Ort. Und ich glaube, den habe ich gefunden.
Wenn du selbst einmal eine Woche in einer Frauengruppe tanzen möchtest, schau dir die nächsten Termine an und trag dich in den Newsletter ein. Wir tanzen in Graz, in der Steiermark, in Sizilien und anderswo. Vorkenntnisse sind weder nötig noch hinderlich. Du bist herzlich eingeladen. 🙂












0 Kommentare