Redewendungen über den Körper

28 Juli, 2026

Das Wasser steht mir bis zum Hals. Ich habe die Nase voll. Sie hat Haare auf den Zähnen. Redewendungen über den Körper verwenden wir, ohne viel darüber nachzudenken. Erstaunlicherweise bekommen einzelne Körperteile dabei fast immer dieselbe Bedeutung. Bei den Füßen geht es um Halt und Standfestigkeit, der Bauch steht für Gefühl, der Rücken für Belastbarkeit, die Haut für die Grenze zwischen innen und außen. Unsere Sprache hat sich auf bestimmte Bilder geeinigt. Treffen sie auch auf dich zu?

Warum es so viele Redewendungen über den Körper gibt

Abstraktes lässt sich schwer fassen. Einen Körper haben wir aber alle, und was wir mit ihm erleben, ähnelt sich. Deshalb greifen wir für Gefühle, Beziehungen und Entscheidungen gerne zu Bildern über den Körper. In der Kognitionswissenschaft heißt das Embodiment, auf Deutsch Verkörperung: Körper, Denken und Fühlen hängen zusammen, und zwar in beide Richtungen. Was in dir vorgeht, zeigt sich in deiner Haltung. Und deine Haltung verändert umgekehrt, wie du denkst und fühlst. Der Sprachwissenschaftler George Lakoff und der Philosoph Mark Johnson stellen schon 1980 in ihrem Buch „Metaphors We Live By“ (Leben in Metaphern) die These auf, dass wir in Bildern denken und die meisten davon aus körperlicher Erfahrung stammen.

Unsere Redensarten und unsere Körpersprache greifen auf dieselben Bilder zurück. Eingesunkene Schultern, ein zurückgezogener Brustkorb, ein sicherer oder ein unsicherer Stand: Das ist die Fassung ohne Worte. Und wenn du sagst, dass dir etwas unter die Haut geht, beschreibst du vielleicht ziemlich genau, was du gerade spürst.

Füße, Beine, Becken

Die Füße stehen für Halt und Standfestigkeit: Fuß fassen, festen Boden unter den Füßen haben, etwas hat Hand und Fuß. Immer geht es um dieselbe Frage, nämlich ob du sicher stehst.

Die Beine bringen dich weiter, sie stehen für Fortbewegung und Selbstständigkeit. Du stellst dich auf deine eigenen Beine, du machst jemandem Beine, und wenn du zu lange auf etwas wartest, stehst du dir die Beine in den Bauch. Das Becken kommt in unserer Sprache selten vor. Und wenn, dann eher abschätzig, ein Griff unter die Gürtellinie zum Beispiel. Im Tanz hat es eine ganz andere Bedeutung, in vielen Tanzformen beginnt dort jede Bewegung. In unseren Redensarten findet sich davon eher selten etwas.

Bauch, Brustkorb, Rücken

Der Bauch steht für Gefühl. Du entscheidest aus dem Bauch heraus, du triffst eine Entscheidung mit Bauchweh, und ein voller Bauch studiert nicht gern. Aus dem Bauch heraus zu entscheiden, das sagen wir, wenn die Entscheidung schon da ist und wir die Begründung nicht nennen können. Wir trauen dem Bauch also zu, dass er mehr weiß, als uns bewusst ist. Tatsächlich gibt es im Verdauungstrakt ein eigenes Nervengeflecht mit mehr als hundert Millionen Nervenzellen (enterisches Nervensystem, umgangssprachlich auch Bauchhirn). Ob unsere Bauchentscheidungen von dort kommen, weiß aber niemand.

Mit dem Brustkorb zeigen wir uns. „Brust heraus, Bauch hinein“ hast du vielleicht noch aus deiner Kindheit im Ohr. Aufgeblasen wie ein Gockel gehört auch hierher. In diesen Redewendungen geht es darum, wie groß oder klein wir uns machen. Der Rücken steht fürs Aushalten. Ein breiter Rücken erträgt viel, etwas wird auf dem Rücken anderer ausgetragen, und wenn es reicht, darf dir jemand den Buckel runterrutschen.

Hände und Haut

Die Hände stehen fast immer für das, was wir füreinander tun. Du wirst auf Händen getragen, du legst für jemanden die Hand ins Feuer, du reichst jemandem die Hand oder gehst ihr zur Hand. Da ist noch eine andere Person beteiligt. Mir die Hände reiben kann ich aber auch alleine 🙂

Bei der Haut geht es um Nähe und Abstand. Etwas geht dir unter die Haut, etwas war hautnah, sie hat eine dicke Haut und manchmal fährst du aus der Haut. Dahinter steckt oft die Frage, wie nah du andere an dich heranlässt.

Und im Tanz?

Ob diese Bilder für dich zutreffen, findest du selbst am besten heraus. Im Ägyptischen Tanz, wie ich ihn verstehe, geht es weniger um Schritte und Choreografien als vielmehr um Körperwahrnehmung und Ausdruck. Becken, Brustkorb und Füße bekommen viel Aufmerksamkeit. Becken und Brustkorb geraten bei uns schnell ins Zweideutige, die Füße werden meistens gar nicht wahrgenommen.

Welche dieser Redensarten klingt jetzt bei dir nach? Vielleicht sagt sie etwas über den Moment, in dem du gerade steckst. Vielleicht auch nicht.

Wenn du Ägyptischen Tanz selbst ausprobieren möchtest, schau dir die nächsten Termine an. Wir tanzen in Graz, der Südsteiermark, in Sizilien und anderswo. Vorkenntnisse sind weder nötig noch hinderlich. Du bist herzlich eingeladen. 🙂

Kommentare

0 Kommentare

Kommentar Schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert