Frauen werden sichtbar – Tanz als Therapie

Tanz als Therapie

Ägyptischer Tanz wurde für mich und die Frauen in meinen Tanzgruppen immer mehr zu einer Art Bewegungstherapie. Wobei ich das Wort Therapie in diesem Zusammenhang nicht so gerne verwende. Es klingt so als hätten wir eine Krankheit, die therapiert werden muss. Ich sehe es eher als interkulturelle Bereicherung. In unserer Kultur ist für bestimmte Ausdrucksformen nicht so viel Platz. Bestimmte Bewegungen sind bei uns einfach nicht so gerne gesehen oder werden nicht gelehrt oder vorgeführt. Manchmal fehlen uns einfach weibliche Vorbilder. Bewegungen des Beckens oder Brustkorbs wurden vielleicht in unserer Kindheit zensuriert und nicht gebilligt.  Der Körper merkt sich solche Verbote. Steifheit und Blockaden in diesen Körperbereichen können die Folge sein.

Bewegung aus der Mitte

Das Erlernen von Ägpytischem Tanz führt uns sanft und mit Freude an solche verbotenen Bewegungen heran. Wir können uns mit den Gefühlen die Becken- und Brustkorbbewegungen auslösen, neu befassen, sie zulassen, loslassen und so vielleicht zu ganz neuen, lustvollen Bewegungen finden. Alle Bewegungen im Ägyptischen Tanz werden gut zentriert und mit gutem Kontakt zum Boden ausgeführt. Alle Bewegungen entstehen aus Deiner Mitte, aus Becken- und Brustkorbzentrum. Mit der Zeit lernst Du zu spüren, das sogar Arme und Hände aus Deiner Mitte bewegt werden. Die meisten westlichen Tänze sind ganz anders ausgerichtet. Bewegungen, Muster,  Schrittfolgen, Choreografien werden von  außen her vorgegeben und (meist vor dem Spiegel) einstudiert. In meiner Version von Ägyptischem Tanz passiert genau das Gegenteil – und viele erleben das als Befreiung und Öffnung zur Spontaneität.

Getanzte Weiblichkeit

Deshalb glaube ich auch, dass Ägyptischer Tanz für uns Frauen weit mehr ist, als eine Tanzform aus Nordafrika. Es ist ein Tanz, in dem wir uns selbst fühlen und tanzen können – ob wir ihn nun öffentlich vorführen oder nicht. In meinen Seminaren kommen Frauen in erster Linie zusammen, um Ihre weibliche Energie zu erleben und zu stärken und sich gegenseitig zu unterstützen.
„…wirkt das erdige Tanzen und die aufrechte Haltung auch auf meine Rhetorik… Ich konnte mir frueher überhaupt nicht vorstellen, vor ein fremdes oder kritisches Publikum zu treten und eine Rede zu halten.“
Kursteilnehmerin, Bad Radkersburg

Frauen werden sichtbar

  • Das Erlernen von Ägyptischem Tanz fordert uns als ganze Person
  • Wir drücken uns möglichst authentisch aus – wir versuchen ganz wir Selbst zu sein
  • Wir zeigen nicht, was wir können, wir zeigen uns Selbst
  • Wir versuchen, ein Kanal für die Musik zu sein – die Musik sichtbar zu machen, zu zeigen, was die Musik in uns auslöst
  • Wir wagen uns auf unsicheres Terrain und lassen Bewegung aus dem Augenblick entstehen

Klingt spannend? Wie kommen wir dahin?

In meinen Seminaren helfen uns Übungen zur strukturierten Improvisation. Zum Beispiel wird der Refrain eines Liedes als kleine choreographische Sequenz vorgegeben und die Teile dazwischen werden improvisiert. Oder wir tanzen miteinander in Kleingruppen. Oder wir tanzen uns abwechselnd kurze Sequenzen vor. Das natürlich nur, wenn Du es wirklich willst. Aber sehr oft entsteht in den Gruppen einfach großes Vertrauen zueinander. Außerdem entdecken die Teilnehmerinnen nach und nach ihre Fähigkeiten und inneren Schätze. So wird auch ein Sich-Öffnen und Sich zeigen ohne Stress möglich.
 
Vorgegebene Schrittmuster und Choreografien hinter sich zu lassen hilft uns, unsere eigenen Bewegungen und unseren eigenen Stil zu finden.
 
Das fördert den Mut zum ersten Schritt, zur eigenen Bewegung, vor allem aber auch den Mut zum „Fehltritt“. Das wiederum kann positive Auswirkungen auf eine eventuell vorhandene perfektionistische Einstellung haben und einen gelasseneren Umgang mit den Themen Leistung und Konkurrenz fördern. Fehler können so als Lerngelegenheit erkannt werden. Das kann auch im Alltag Mut machen, einen Schritt aus Deiner Komfortzone zu tun.

„Wenn die Psychoanalyse eine Änderung der seelischen Verfassung eines Menschen bewirken kann, müsste gleichzeitig eine entsprechende körperliche Veränderung vor sich gehen. Wenn die Tanztherapie eine Veränderung im Körperverhalten bewirken kann, müsste sie eine Veränderung der geistigen Haltung und der seelischen Verfassung zur Folge haben.“ (SCHOOP, 1981)1

 

1 Schoop, Trudi, ...komm und tanz mit mir!, 1981, S. 46

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Astrid Pinter

Tanz- und Ausdruckstherapeutin, Tanzpädagogin. Ich leite seit über 20 Jahren Tanz- und Bewegungsgruppen für Frauen.
Mehr über mich unter "Über Mich" :-)

3 Comments

  1. Pingback: Workshop zu gewinnen - Ägyptischer Tanz für Frauen

  2. nach einer krebserkrankung war meine tanzreise nach sizilien mit astrid und den anderen frauen ein großer schritt in ein neues leben mit viel selbstwert, achtung vor mir selber .. ich gehe nicht merh durchs leben, ich schreite wie eine ägyptische königin voll selbstwert .. es tut einfach nur gut!

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