Julia Fraunlob

Julia Fraunlob – Tanzen in Zeiten von Corona Maßnahmen

Julia Fraunlob ist Tänzerin und Tanzpädagogin in Wien, bietet Bollywood-Tanz, freien Tanz und als Schwerpunkt Derwisch-Drehtanz an und konnte sich durch ihren zweiten Beruf in der Gesundheitsförderung der digitalen Vermittlung von Inhalten annähern.


Liebe Julia, bitte erzähl etwas über Dich und Deine Angebote vor Beginn der Corona Maßnahmen

Ich bin Tänzerin, Tanzpädagogin und Kultur- und Sozialanthropologin. Ich lebe und arbeite in Wien. Meine Liebe zum Tanz hat sich auf meinen zahlreichen Reisen und in der Begegnung mit anderen Kulturen entwickelt. Tanzen bedeutet für mich “das Leben feiern“, körperliche wie geistige Balance zu finden und sich mit anderen Menschen zu verbinden.

Neben dem Bollywood-Tanz und dem freien Tanz liegt mein Schwerpunkt auf dem Drehtanz der Derwische. Abgesehen von der unglaublichen Ästhetik des Drehtanzes, beeindrucken mich vor allem die Auswirkungen in Bezug auf die seelischen und die mentalen Aspekte.

Ähnlich wie Meditation schult die Drehtanzerfahrung die Achtsamkeit, die Körperwahrnehmung und generell eine wertfreiere, mitfühlendere Wahrnehmung. Ich gebe die Jahrhunderte alte Technik der tanzenden Derwische, die einen mystischen Hintergrund hat, mit modernen pädagogischen und didaktischen Methoden an meine Workshop-TeilnehmerInnen weiter.

Im Rahmen meiner Tanzpädagogik-Ausbildung habe ich eine Methode entwickelt, die es ermöglicht, die Grundkenntnisse des Drehtanzes in kurzer Zeit mit wenig bis gar keinen unangenehmen Begleiterscheinungen wie Schwindel oder Übelkeit zu erlernen. 

Seit 2016 biete ich Derwischtanz-Performances und regelmäßig Drehtanz-Workshops an. Von Zeit zu Zeit halte ich auch Bollywood-Tanzkurse ab.

Zudem habe ich eine Teilzeitanstellung in der Gesundheitsförderung im Bereich der Beruflichen Rehabilitation, in deren Rahmen es mir gelungen ist neben unterschiedlichen Bewegungsangeboten auch ein Tanzangebot (eine Mischung aus verschieden Tanzrichtungen und Tanzimprovisation) zu etablieren.

Bis zum Beginn der Corona-Krise habe ich keinerlei Erfahrung mit Online-Unterricht gehabt und hatte diesbezüglich auch keine Pläne.

Julia Fraunlob

Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf Dein Angebot aus?

Durch die Beschränkungen in der Corona-Krise ist ganz plötzlich der physische Raum in Form von Tanzstudios weggefallen. Damit auch die Möglichkeit meine Workshops in der üblichen Art und Weise abzuhalten. Was aber bleibt ist der virtuelle Raum – und den möchte ich nun nutzen.

Konkret: Die Tanz-Plattform Choretaki hat eine regelmäßige Online-Tanz-Veranstaltung ins Leben gerufen, nämlich ein Tanzfrühstück jeden Donnerstag. Am 14. Mai um 8:45 in der Früh bin ich dort zu Gast und werde meinen ersten Online Drehtanz-Kurzworkshop halten: https://www.choretaki.com/

Zum Glück habe ich weiterhin meinen Angestellten-Job und bin somit finanziell abgesichert. Ich mache Homeoffice und auch da erarbeiten wir uns gerade Wege wie wir unsere KundInnen der Beruflichen Rehabilitation mit Online-Angeboten gut versorgen können.

Allerdings muss ich sagen, dass ich in den letzten Wochen einen ziemlichen Lernprozess durchgemacht habe. Zu Anfang der Krise habe ich einen inneren Widerstand gespürt, den physischen gegen den digitalen Raum zu tauschen. Dann erkannte ich aber nach und nach auch die Chancen. Es ist eigentlich großartig, dass es möglich ist sich auf diese Weise zu verbinden und dass Menschen eben nicht mehr am selben Ort sein müssen, um voneinander zu lernen. Dennoch werde ich immer dem direkten physischen Tanzen mit Menschen den Vorzug geben, denn es gibt schon einen Qualitätsverlust.

Über den Bildschirm kann man nur durch die Augen und Ohren wahrnehmen, alle anderen Sinneswahrnehmungen und das subtile Spüren von Mitmenschen geht dabei verloren. Außerdem kann man Bewegungen über den Bildschirm nur zweidimensional und nicht dreidimensional erfassen.

Wie siehst Du die zukünftige Entwicklung?

Auf jeden Fall möchte ich ab September wieder meine üblichen 2-tägigen Drehtanzworkshops halten. Ich hoffe, dass sich im Herbst wieder alles soweit normalisiert hat und das möglich sein wird. Termine dazu wird es demnächst auf meiner Website geben: http://juliafraunlob.at/

Da diese Krise einen kräftigen Digitalisierungsschub in allen Lebensbereichen nach sich ziehen wird, glaube ich, dass wir TänzerInnen gut daran tun, uns in die digitale Vermittlung unserer Kunst einzuarbeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass es viele Tanzinteressierte gibt die auf den Geschmack gekommen sind: man spart Zeit, Energie, Anfahrtswege, Raummieten usw.

Daher habe ich den Plan neben dem normalen „physischen“ Unterricht in Zukunft zusätzlich ein Online-Angebot weiterzuführen. Eine stärkere Zuwendung an die digitale Welt ist etwas was ich aus der Corona-Krise mitnehme.

Link zu Julia Fraunlob
http://juliafraunlob.at/

Fotos: Portraitfoto: Christian Konrad, Drehtanzfoto: Ulrich Gottlieb


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Hier gibts alle Infos:
https://astrid-pinter.at/blog/tanzen-in-zeiten-von-corona-massnahmen

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Astrid Pinter

Tanz- und Ausdruckstherapeutin, Tanzpädagogin. Ich leite seit über 20 Jahren Tanz- und Bewegungsgruppen für Frauen.
Mehr über mich unter "Über Mich" :-)

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