Zentrierung - Bewegung aus der Körpermitte

Zentrierung – Bewegung aus der Körpermitte

Zentrierung – Standfestigkeit und Selbstbewusstsein

Zentrierung und Bewegung aus der Körpermitte gehören zu den Grundlagen im Ägyptischen Tanz. Dabei versuchen wir ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Standfestigkeit und Beweglichkeit zu finden. Wobei sich diese beiden Pole ständig abwechseln, einander annähern und ausgleichen.

Laban beschreibt eine Bewegung als zentral, wenn der Ausgangsimpuls in der Körpermitte (Brustkorb, Becken) liegt, als peripher, wenn der Impuls in den äußeren Bereichen des Körpers (Arme, Beine) liegt.

Im Ägyptischen Tanz steht die Bewegung der Wirbelsäule im Vordergrund. Der Bewegungsimpuls kommt aus dem Brustkorbzentrum, fließt durch die Wirbelsäule, trifft auf gute Erdung, Spannung im Beckenbereich, durchlässige Knie- und Fußgelenke und breitet sich durch die Arme nach Außen aus. Energetisch gesehen wird das Herzchakra angesprochen.

Wir streben die Verbindung von Brustkorb- und Becken-Zentrum an, also eine Harmonisierung zwischen Herz-, Sakral- und Wurzelchakra. Oder eine von Verbindung Gefühlen und Körper. Vor allem in den weich-fließenden Bewegungen wird die Bewegung aus der Körpermitte sichtbar: Kreise, Achter, Wellen gehen vom Körperzentrum aus – die Arme werden von der Wirbelsäule „mitbewegt“.

Zentrierung – das heißt ganz bei mir bleiben und doch offen sein

Die Konzentration geht nach innen, gleichzeitig versuchen wir offen zu bleiben (die Augen werden selten geschlosen), die Aufmerksamkeit ist schwebend und indirekt. Das spricht direkt einen psychischen Grundkonflikt an. Den Widerstreit zwischen Unabhängigkeit und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Das körperliche Üben, Erspüren, Fühlen und Aushalten dieser Spannung fordert uns als ganze Person und überträgt sich im Laufe der Zeit auf den Alltag. Vielleicht wird das Bemühen, es allen Recht machen zu wollen weniger, vielleicht fühlen wir uns in wichtigen Gesprächssituationen sicherer, vielleicht ändert sich unser Auftreten ganz allgemein.

Die praktische Umsetzung wird erleichtert durch folgende Übungen:

Bewusstmachen der Körperzentren
Muskelspannung im Becken
Beweglich-Machen der Brustwirbelsäule
Verbinden von Brustkorb- und Beckenzentrum
Bewegungsmeditationen
die Tanzbewegungen selbst (z.B. die Wirbelsäule schwingt in einer Spiralbewegung um die Körpermitte)
Gleichgewichtsübungen
Bewusstmachen der Atmung (Ausatmen!)
Übungen zur bewussten Bewegung

Für Trudi Schoop ist es das Zentrum, das körperliche und seelische Einheit ermöglicht:

Es dient als Stabilisator für unser Gleichgewicht, als Kompass für unsere Orientierung und Koordination für unsere Bewegungen, ist Beziehungspunkt für unsere körperlichen Grenzen – es sagt uns, wo wir anfangen und wo wir aufhören. (SCHOOP, 1981)

Das Üben von Zentrierung bringt mehr Bewusstheit in unsere Bewegung und fördert die Verbindung von Körper, Herz und Gefühlen. Wir machen uns bewusst, wo wir gerade stehen und erkennen wie gut wir bei uns bleiben können, ob wir uns von Außenreizen lösen können und wie sehr wir von unserer Umgebung beeinflusst sind.

Das Erkennen von Ablenkungen und die Verbesserung der Körperwahrnehmung bringt uns zu innerer Beteiligung an der Bewegung und fördert eine gute Körperspannung. Ohne innere Beteiligung wird vor allem die langsame getragene Qualität in den lyrischen Bewegungen schnell als langweilig empfunden, sowohl von der Tänzerin, als auch von ZuschauerInnen.

Es ist in diesem Zusammenhang auch sehr spannend zu beobachten, dass die Bewegung für Tänzerin und ZuschauerIn spannend wirkt, wenn sie mit Spannung ausgeführt wird!

Die Bewegungen, die die langsamen Passagen der Musik ausdrücken, sind meist sehr meditativ und gefühlsbetont. Wird gleichzeitig die Offenheit für die Umgebung bewahrt und dem Gefühl widerstanden, ganz nach innen zu gehen“ (gesenkter Kopf, geschlossene Augen), wird meist sehr starke Präsenz spür- und sichtbar.

„Ich hab auf jeden Fall ein anderes Körperbewusstsein bekommen, viel Freude damit erlebt und einen guten „Draht“ zu meinem Körper und mehr Gelassenheit entwickelt.“
(Kursteilnehmerin, Universitäts-Sportinstitut Graz)

Muskelspannung um die Körpermitte fördert Körperwahrnehmung, gibt ein Gefühl für die  (Körper-)Mitte und bringt die Tänzerin in starken Kontakt mit sich selbst und ihren Emotionen.

Aus dieser Haltung kann inneres Erleben in die Bewegung fließen und Kontakt mit dem „Außen“ aufgenommen werden.

Diese Vorgänge berühren grundlegende Lebens- und Entwicklungsthemen:

die Spannung zwischen „Ich“ und „Du“
Rückzug und Öffnung
Innen und Außen
spielerisches „Sich Verstecken“ und „Sich zeigen“

Lust, das auch selbst mal auszuprobieren? Hier gehts zu den aktuellen Terminen:
http://astrid-pinter.at/termine/

Musiktipps für Ägyptischen Tanz

Du tanzt gern ägyptisch / orientalisch / zu Weltmusik und bist auf der Suche nach musikalischer Inspiration fürDeinen Unterricht, Dein Seminar oder zum „einfach Tanzen“?

Lade Dir hier eine übersichtliche Zusammenstellung herunter!

 


Posted in Bewegungsprinzipien im Ägyptischen Tanz, Blog and tagged , , , , , .

Astrid Pinter

Tanz- und Ausdruckstherapeutin, Tanzpädagogin. Ich leite seit über 20 Jahren Tanz- und Bewegungsgruppen für Frauen.
Mehr über mich unter "Über Mich" :-)