Therese Tripold

Therese Tripold – Tanzen in Zeiten von Corona Maßnahmen

Therese Tripold lebt im Burgenland und bietet Validation, Demenzbegleitung und Tanz für alle an. Ihr  Angebot lebt von der direkten Kommunikation und den gruppendynamischen Prozessen, deshalb kommt für sie ein Online-Angebot nicht in Frage


Liebe Therese, bitte erzähl etwas über Dich und Deine Angebote vor Beginn der Corona Maßnahmen

Ich bin Jungunternehmerin seit 2016. Mein Unternehmen bietet Dienstleistungen für Menschen mit Demenz und für ALLE die sich gerne tänzerisch, körperlich und kreativ betätigen wollen.
 
Vom Grundberuf bin ich Dipl. Sozialfachbetreuerin mit Schwerpunkt Behindertenarbeit sowie Pflegeassistentin. Hinzu schloss ich später die Ausbildung zur zertifizierten Tanz- und Ausdruckspädagogin (Veronika Fritsch) sowie Validationsanwenderin (eine Methode nach Naomi Feil) Level 1,2, ab und beende im Herbst Level 3 zur Presenterin.
 
Ich bin alleinerziehende Mutter von einer 9,5-jährigen, wundervollen Tochter.
Seit meiner Selbständigkeit habe ich mehrere kleine Projekte erfolgreich aufgebaut. Die Arbeit mit den tanzenden Personen läuft parallel zur Demenzbegleitung die auf Beziehungsaufbau ausgerichtet ist. Parallel deswegen, weil meine Arbeit grundlegend auf nonverbale und verbale Kommunikation / in Kontakt gehen abzielt.
 
Den Tanz habe ich bisweilen in einer Institution für Menschen mit psychischer Erkrankung angeboten. Außerdem hielt ich regelmäßige Abendworkshops und in den 4 Jahreszeiten Ganztagesworkshops für Jung und Alt ab. Nachdem ich im ländlichen Burgenland (ursprünglich aus der Steiermark stammend) angesiedelt bin, baut sich der TanzkundenInnenstock stetig aber gemächlich erst auf. Die Workshops außerhalb von Institutionen wurden bisher in einem schönen, alten Gastwirtschaftssaal in Kaisersdorf angeboten (der ja jetzt auch geschlossen ist).
Am Tanz fasziniert mich die Echtheit und dass jeder Mensch seinen individuellen Takt in sich trägt. Ich möchte mit meinen Angeboten allen Menschen ermöglichen zu tanzen – da ich es einfach supergenial finde und es eine einfache Art und Weise ist in Bewegungen zu kommen.
Vor allem ist Tanzen gesund und macht Spaß. Ich gestalte alle Angebote individuell und mit Begeisterung. Der Aufbau ist auf die Bedürfnisse der GruppenteilnehmerInnen abgestimmt.
Da sowohl die Begleitung an Demenz erkrankter Personen als auch das Tanzen vom direkten Kontakt und Mitwirken der beteiligten Personen abhängt, es darum geht, zu spüren und zu sein – kam es mir bisher nicht in den Sinn hierzu online Angebote zu machen.
 
Therese Tripold

Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf Dein Angebot aus?

Zunächst war und ist da immer noch die große Unklarheit, was erlaubt ist und inwieweit man überhaupt Angebote machen kann ohne als „Gefährder“ eingestuft zu werden. Auch die Institutionen selbst sind vorsichtig und neigen eher dazu „nicht unbedingt nötige“ Programme auszusetzen.
 
Ich biete deshalb derzeit weder Tanzen noch Validation in Institutionen an. Bei den Workshops, die ausgeschrieben waren, blieben ob der allgemeinen Verunsicherung und Verängstigung die Plätze in den letzten beiden Monaten leer.
 
Ich bezeichne meinen Stand als unbezahlten Zwangsurlaub. Das, was ich mit viel Kraft und Mut 4 Jahre lang aufgebaut habe steht nicht mehr auf den starken Säulen die gerade erst seit einem Jahr an Stabilität gewannen. Mit viel Glück und aufgeklärter Bevölkerung kann ich wieder neu aufbauen. Inwieweit das möglich sein wird weiß ich nicht.
Therese Tripold

Wie siehst Du die zukünftige Entwicklung?

Derzeit weiß ich nur was keine Option für mich ist. Nachdem ich die Phänomenologie von gruppendynamischen Prozessen liebe, und ich Gruppenarbeit gegenüber des Einzelsettings bevorzuge, werde ich konservativ bleiben und mich nicht mittels sozialen/neuen Medien in die Arbeit stürzen.
 
Da fehlt mir die Echtheit vom Menschsein, die so wichtig ist für das Miteinander, für wahrhaftige und spürbare Momente, die zwar kurz sind aber nachhaltig. Ich habe es probiert, online Kommunikationsmittel einzusetzen: bei den regelmäßigen Treffs von Angehörigenrunden von Demenzkranken- aber die Thematik ist einfach zu berührend. Ich kann da mein Gegenüber nicht so begleiten, dass ich mich danach wohl fühle und mir sicher sein kann, dass sich auch der/die andere wohlfühlt.
 
Ich möchte auch keine Videos für und von zuhause aus machen, da ich komplett auf Freiwilligkeit und wertfreies Anleiten setze, was auch durch mich spontan und je nach Gruppendynamik frei raussprudelt und lediglich Einladungen sind. Auch das ist etwas, das nur „live“ transportiert werden kann, nur so „richtig rüber kommt“.
 
Die Qualität an dem was ich tue ist ja gerade das direkte Erleben – das kann nicht aus der Dose kommen.
 
Durch meine Einladungen können die tänzerischen Ausdruckmöglichkeiten einfach unkontrolliert frei entstehen- eben auch durch das Miteinander. Auch der Zwang eine Maske zu tragen würde das total untergraben und ist für mich keine Option.
 
Wäre mein Kundenstock bereits größer wäre es vielleicht einfacher direkt mit den TänzerInnen neue und alternative Möglichkeiten zu finden und zu überlegen, wie ich das Tanzangebot aufrecht erhalten kann (zum Beispiel im Freien bei kleiner Gruppe). So bin ich auf mich allein gestellt und tu mir momentan schwer mit solchen Entscheidungen vor allem wenn sie Vorab-Investitionen wie Equipment oder Miete für größeren Raum betreffen.

Zu finden ist Therese Tripold

demnächst unter:
www.raumundzeit.jetzt
jetzt über youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=GJv7VLb97Rg&t=78s
und über facebook:
https://www.facebook.com/ausdruckstanz.jetzt/

Fotos: Therese Tripold


Du möchtest auch über Deine Erfahrungen in Zeiten von Corona berichten?
Hier gibts alle Infos:
https://astrid-pinter.at/blog/tanzen-in-zeiten-von-corona-massnahmen

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Astrid Pinter

Tanz- und Ausdruckstherapeutin, Tanzpädagogin. Ich leite seit über 20 Jahren Tanz- und Bewegungsgruppen für Frauen.
Mehr über mich unter "Über Mich" :-)

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