Sommertanzwoche in der Südsteiermark – ein Reisebericht

Im Juli 2015 fanden sich wieder 11 Frauen zu einer Tanzwoche in der Südsteiermark ein. Die Tanzreisen in die Südsteiermark veranstalte ich bereits seit über 12 Jahren. Nachdem meine vorigen Gastgeberinnen ihre Pension geschlossen hatten, konnte ich ein verwunschenes, ca. 400 Jahre altes Bauernhaus in meiner Nähe finden – liebevoll restauriert, aber kaum modernisiert. Zu Beginn gabs noch keinen Strom – dass der inzwischen vorhanden ist, sehe ich als gute Modernisierung – auch wenn das Tanzen bei Kerzenschein einen besonderen Reiz hatte.

Das beste daran: Manfred, der Besitzer, ist als Mietkoch zu haben – seine wunderschönen Räume stellt er für die Veranstaltung zur Verfügung. Gegenüber steht ein stilvolles Ferienhaus mit einer riesengroßen Wohnküche (die Stubn, wie das hier heißt) und bietet viel Platz und Komfort.
Einige Frauen wohnen in Buschenschenken in der Nähe, müssen die kleine Unannehmlichkeit einer ca. 5minütigen Autofahrt zum Seminarort auf sich nehmen, haben dafür aber auch ein Einzelzimmer.

Ankommen

Viele Frauen kommen seit Jahren immer wieder, in dieser Woche waren es mit einer Ausnahme alle. Die Gruppe hatte sich im letzten Jahr so wohlgefühlt und beschlossen, dieses Erlebnis gemeinsam zu wiederholen.

sommertanz4Das heißt, der erste Tag ist für mich etwas weniger aufregend als sonst – immerhin kennen alle schon den Weg. Wir sammeln uns am Sonntag Abend um ein erstes gemeinsames Abendessen. Orientalisch, international, steirisch – eine kulinarische Einstimmung auf die nächsten Tage.

Nach einer Pause und dem Austauschen von Neuigkeiten und Erinnerungen beginnen wir mit der ersten Tanzeinheit. Erden, Ankommen, Anknüpfen ist das Thema und wird sich in der Woche fortsetzen indem wir weiter die Tiefen des Ägpytischen Tanzes ausloten. Archetypische Frauenbilder werden auftauchen, Diskussionen über unseren Begriff von Weiblichkeit entstehen, typische Frauenthemen wie Perfektionsismus und Selbstwert werden zur Sprache kommen und hinterfragt. Wie immer wird in unserer entspannten Frauenrunde viel gelacht und besprochen.

Tanzen

tanzWir tanzen jeden Tag 3 Stunden am Vormittag, ein Teil dieser Zeit wird mit intensiven Körper- und Spürübungen verbracht. Eine weitere Tanzeinheit gibt es am späten Nachmittag auf freiwilliger Basis, aber selten lässt sich eine diese Gelegenheit entgehen. Das Tanzen und vor allem das Einlassen auf Neues, Unbekanntes ist anstrengend, führt aber zu einem sehr gelassenen Wohlfühlen danach. Der Körper hat sich gut bewegt, der Geist entdeckt neue Bahnen.

Sophie, die älteste Teilnehmerin ist 76 und kommt ebenfalls seit einigen Jahren zu uns auf den Graßnitzberg. Was Beweglichkeit und Kondition angeht, können wir uns von ihr was abschauen. Sie fühlt sich nach dieser Woche immer „runderneuert“ sagt sie, wie von innen und außen „durchgeputzt“. Und dass sie das Zusammensein mit so vielen verschiedenen Frauen – die sich alle so gut verstehen – genießt. Und dass sie hofft, noch viele Jahre fit genug für diese Tanzwoche zu sein. Das hoffen wir auch!

Der erste Abend findet seine Abrundung mit Breema-Körperarbeit mit Ursula. Die Breema-Prinzipien unterstüzten das Erlernen der typischen Bewegungen und Haltungen im Ägyptischen Tanz. Auch Ursula unterstützt meine Tanzwochen schon seit einigen Jahren und auch diesmal dauert die Einheit um einiges länger als geplant…. Zufrieden und entspannt beschließen wir den Abend.

Generationen verbunden

Am nächsten Tag haben wir etwas ganz Besonderes vor. Sofia, die jüngste Teilnehmerin wird in dieser Woche 18 und hat sich bewusst ihren Geburtstag in dieser Frauenrunde ausgesucht und geplant. Alle haben weiße und rote Kostbarkeiten für sie mitgebracht und in einem Ritual zelebriert sie mit uns das Überschreiten der Schwelle zum Erwachsensein. Sofia ist gerührt und natürlich – auch bei uns Älteren lassen sich ein paar Tränen der Rührung nicht zurückhalten.

Für den Abend haben wir dann noch was Besonderes vor: Wir fahren in Ottos Biobuschenschank, lassen uns mit seiner Spezial-Brettljause verwöhnen (von normal über vegetarisch bis vegan) und erfahren während einer Weinverkostung viel Interessantes über Bioweinbau, die Gegend, die besondere Lage an der Grenze zu Slovenien und die Geschichte der Winzerfamilie. Ein zufällig anwesender Studienreisender (wie er sagt) aus China gesellt sich zu uns, spricht sehr gut Deutsch und gibt uns nochmal ein ganz anderes Bild, auf das was wir da tun… (Zitat: „Darf ich die Frauen mit Weinflaschen fotografieren?“). Nach einer kleinen Irrfahrt (das Weinmobil kannte den Weg noch nicht so gut…) werden wir alle wieder wohlbehalten abgeliefert und freuen uns auf den nächsten Tag.

Live-Musik

sommertanzwochen6Der beginnt mit Live-Musik. Andrej aus Maribor unterstützt uns mit ägyptischen Rhythmen an der Darabukka. Das lässt den Tanz unmittelbarer werden, alle sind sich später einig: Live-Musik ist durch nichts zu ersetzen. Andrej hat uns auch noch etwas Entspannendes mitgebracht. Mit Rasseln, Gongs, Harfen, Flöten versetzt er uns in tiefe Entspannung – von hier aus experimentieren wir mit Bewegung von innen, spüren unsere Wirbelsäule, unseren Rücken…. usw. Anschließend fühlen wir uns alle sehr klar, entspannt und doch kraftvoll – und sind uns einig, dass wir das im nächsten Jahr (ja – einige haben schon angedeutet, dass sie wiederkommen wollen…) wiederholen werden.

Feiern, genießen, austauschen

Der letzte Tag schließt mit einem Abschlussfest. Dabei kommen wir in den Genuß eines Eurythmie-Workshops von Sofia. Ja, wir lernen alle unsere Namen tanzen:-), aber Sofia schafft es mit ihrer jugendlichen Unbekümmertheit und Begeisterung viel mehr zu vermittlen. Wie schön wäre es doch gewesen, wenn wir alle in unserer Schulzeit so eine ganzheitliche Tanzform vermittelt bekommen hätten. Gut für Körper und Geist, ein Bollwerk gegen Bewegungsmangel im Unterricht, außerdem eine Begegnung mit Kunst, Musik, Literatur – danke Sofia für diese Erweiterung meines Horizonts!

sommertanzwochen4Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich das wie immer delikate Buffett zum Abschlussfest – wie schon die ganze Woche eine kulinarische Weltreise. Wir tanzen zu Musik aus aller Welt – die letzten verlassen den Ort des Geschehens weit nach Mitternacht… Der Freitag wird genutzt, Erlerntes zu festigen, die Stimmung ist ausgelassen und es gibt noch eine Überraschung für Manfred und mich: Es wird uns beiden ein Ständchen gesungen, bekannte Melodien – ganz individueller Text – unglaublich was die Frauen in dieser Woche so nebenher zustande gebracht haben. Und irgendwie haben sie es auch noch geschafft, das während der Woche geheim zu halten:-)

Liebe Frauen, vielen Dank für Eure intensive Beteiligung, Eure Offenheit, Eure Bereitschaft, Euch einzulassen – ich freu mich auf weitere berührende, bewegende und entspannende Tanzwochen in der „Steirischen Toskana“!

zu den aktuellen Terminen

https://astrid-pinter.at/termine/kategorie/tanzreisen/oesterreich

Posted in Blog, Reiseberichte and tagged , , , , .

Astrid Pinter

Tanz- und Ausdruckstherapeutin, Tanzpädagogin. Ich leite seit über 20 Jahren Tanz- und Bewegungsgruppen für Frauen.
Mehr über mich unter "Über Mich" :-)

Kommentar verfassen