Shaabi
Sha'abi ist die älteste Form im ägyptischen Tanz und spielt nach wie vor eine wichtige Rolle im Leben der ländlichen Bevölkerung. Seine Wurzeln liegen in den ländlichen Traditionen ganz Ägyptens.
Sha'abi ist beeinflusst von den Tänzen der Fellahen (BäuerInnenn), Ghawazee (ZigeunerInnen), der Beduinen, von den Stock- und Kampftänzen des Said (Oberägypten) und von den afrikanischen Rhythmen und Tänzen aus Nubien. Diese traditionellen Tänze sind zum Teil seit Jahrhunderten bekannt und haben sich im Laufe der Zeit wenig verändert. Die typischen Instrumente wie z.B. Mizmar (Oboe), Rebaba und Arghul (Doppel-Bambus-Flöte) gehören zu den antiken Instrumenten. Typische Sha'abi-Musik kann fröhlich und übermütig sein, hat aber auch eine große Tiefe und Kraft. Viele Wiederholungen und der typische Klang von z.B. Mizmar erzeugen auch hypnotisch-tranceartige Eindrücke.
Die Tänzerin interpretiert die der Sha'abi-Musik eigene Erdigkeit, Kraft und ein „In sich Ruhen“, das niemals starr ist. Die – durch Bein- und Fußarbeit – „aus dem Boden“ kommende Energie wird in Fluss gehalten und erzeugt trotz feuriger Bewegung ein Bild großer Ruhe und Zentriertheit.
Sha'abi wird traditionell in der Gruppe getanzt, Freude an der eigenen Bewegung, am Im-Fluss-Sein und am Kontakt unter den Tänzerinnen stehen im Vordergrund.
Diese Form gibt die Grund-Bewegungsmuster für alle Stile im Raqs Sharqi vor und ist damit auch für geübte Tänzerinnen immer wieder eine herausfordernde Übung in den grundlegenden Bewegungsprinzipien:
Erdigkeit, bewegliche Wirbelsäule, aufrechte Haltung, bewegliche Hüften und Präsenz - die Tänzerin nicht darzustellen, sondern zu SEIN.


