Bewegungsprinzipien im Ägyptischen Tanz – ein Überblick

Für mich besteht Ägyptischer Tanz viel mehr aus Bewegungsprinzipien, Haltungen und Einstellungen als aus Bewegungen und Schrittfolgen. Grundlegend sind  zum Beispiel Einfachheit, das Sichtbar Machen der Musik und Authentizität, also nicht die Rolle der Tänzerin zu spielen, sondern die Tänzerin zu sein. Außerdem Achtsamkeit, ganz bei Dir zu bleiben und doch offen zu sein, nicht Deine Technik oder Dein Können zu zeigen – sondern Dich Selbst.

Rein auf die Bewegung bezogen ist Ägyptischer Tanz ein ganzheitlicher, geerdeter, zentrierter und zentrierender Ausdruckstanz. Diese einzelnen Prinzipien und ihr Potenzial für die persönliche Entwicklung hab ich in eigenen Blogartikeln beschrieben, hier ein Überblick.

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Ganzheitliche Bewegung

Die Bewegungen im Ägyptischen Tanz sind möglichst ganzheitlich. Weiche und fließende Bewegungen erhalten ihren Impuls aus dem Brustkorb – Hüften und Becken werden einfach mitbewegt. Ebenso führen die Arme die Impulse aus der Körpermitte weiter. Das bewirkt und bedingt eine starke Zentrierung und Aktivierung der Muskeln um die Wirbelsäule und eine Konzentration nach innen, zur eigenen Mitte hin. Das Üben von ganzheitlicher Bewegung fördert die Koordination der Körperteile. Eine gute Koordination führt zu mehr Leichtigkeit, Einfachheit und Freude in der Bewegung. Beim Üben machen wir uns unseren Körper in seinen Einzelteilen und deren Verbindungen zueinander bewusst. Bewegungsblockaden können so erkannt und integriert werden. Auf der psychischen Ebene fördert ganzheitliche Bewegung die Fähigkeit zur Hingabe, zum Aufgehen in einer Sache. Weiterlesen…

Erdung / Grounding

Der Begriff Grounding wird in vielen Bereichen der Körperarbeit und Körperpsychotherapie verwendet. Ich verwende meist den Begriff Erdung, der auch längst Teil der Umgangssprache geworden ist. Erdung spricht das Bewegungsgefühl an. Gerade das im Fühlkontakt mit sich selbst sein wird auch durch die anderen Prinzipien, wie Zentrierung oder ganzheitliche Bewegung gefördert. Weiterlesen…

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Aufrichtung

Wie sich Aufrichtung, Haltung und innere Einstellungen gegenseitig beeinflussen wurde mit recht amüsanten und trickreichen Methoden an der Universität Trier von Prof. Fritz Strack und MitarbeiterInnen untersucht:

100 Personen wurden gebeten, gegen Bezahlung eine Art Kreativitätstest auf Papier auszufüllen. Dieser wurde dann überhaupt nicht angeschaut, sondern weiterlesen…

Zentrierung

Zentrierung und Bewegung aus dem Zentrum sind zentrale Elemente im Ägyptischen Tanz. Dabei soll ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Stabilität und Flexibilität hergestellt werden. Für Trudi Schoop ist es das Zentrum, das körperliche und seelische Einheit ermöglicht:

Es dient als Stabilisator für unser Gleichgewicht, als Kompass für unsere Orientierung und Koordination für unsere Bewegungen, ist Beziehungspunkt für unsere körperlichen Grenzen – es sagt uns, wo wir anfangen und wo wir aufhören. (SCHOOP, 1981)3

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Genauso wie Schoop zentrierende und erdende Übungen aus dem Modern Dance in der Arbeit mit psychiatrischen PatientInnen verwendet, können diese Elemente aus dem Ägyptischen Tanz in die Tanztherapie einfließen. Weiterlesen…

Bewegliche Hüften – Bewegliche Wirbelsäule

Das Tanztraining zielt darauf ab, die Wirbelsäule in alle Richtungen beweglich und flexibel zu machen (lyrische Bewegungen). Kombinationen der Richtungen ergeben komplexe Bewegungen. Aus dem Hin- und Herschwingen der Wirbelsäule in Verbindung mit einem Kreisen entsteht zum Beispiel eine Acht. In den lyrischen Bewegungen wird das Prinzip der Ganzheitlichkeit sehr sichtbar. Weiterlesen…

Ausdruck – Emotionen in Bewegung

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Im Ägyptischen Tanz geht es um eine Bewegung von Innen nach Außen. Im Vordergrund steht eine Art Rückverbindung. Die Tänzerin versucht, ganz offen zu sein, ihren Körper von der Musik bewegen zu lassen und es fließen zu lassen. Auf die Musik bezogen sieht sie sich als „zusätzliches Instrument“, als diejenige, die die Musik sichtbar macht. Es geht um den Weg vom Machen zum Sein, vom Showtanz zum Ausdruckstanz, nichts darzustellen, sondern den Moment zuzulassen. Der ist nicht einfach, lohnt sich aber, können auf diese Weise doch Beschränkungen durch Normen und Vorstellungen darüber, wie wir zu sein haben, überwunden werden. Und jeder Schritt in diese Richtung kann direkt in den Alltag übernommen werden. Weiterlesen…

Körperlich bin ich sicherlich lockerer und beweglicher geworden. Manchmal auch im Leben, ich nehme nicht immer alles so ernst, bin vielleicht auch gelassener geworden. Die Tendenz meines Selbstbewusstseins ist steigend.
(Teilnehmerin eines Abendkurses)


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Astrid Pinter

Tanz- und Ausdruckstherapeutin, Tanzpädagogin. Ich leite seit über 20 Jahren Tanz- und Bewegungsgruppen für Frauen.
Mehr über mich unter "Über Mich" :-)

2 Comments

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